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Wirtschaft

15.05.2018 - Artikel

Stand: Oktober 2018

Wirtschaftsstruktur

Obgleich aufgrund hoher Wachstumszahlen die Armutsquote auf geschätzte 13 % reduziert werden konnte, gehört Kambodscha nach wie vor der Gruppe der Least Developed Countries (LDC) an. Das BIP pro Kopf lag im Jahr 2017 bei ca. 1.400 USD. Es wird geschätzt, dass das BIP pro Kopf im Jahr 2018 auf ca. 1.500 USD und im Jahr 2019 auf 1.600 USD steigen soll.  Damit hätte das Land den Status eines „lower middle-income country“ erreicht. Bestimmend für den Status als LDC sind Entwicklungsdefizite bei Gesundheitsversorgung, Ernährung und Bildung sowie die geringe Diversifizierung einer hauptsächlich auf einzelne Exportprodukte beschränkten Volkswirtschaft.

Bei einem Bevölkerungswachstum von jährlich ca. 1,5 % und einer sehr jungen Bevölkerung (mehr als 50 % der kambodschanischen Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt) betrug das durchschnittliche Wachstum des BIP pro Jahr in der Zeit von 2010 bis 2018 um die 7 %; dieser Trend soll anhalten.

Ein international vergleichsweise hoher Anteil der Kambodschaner (fast 80 %) lebt auf dem Land. In der 2015 veröffentlichten Entwicklungsstatistik der Vereinten Nationen („Human Development Index“, HDI) belegte Kambodscha für das Jahr 2017 den 146. von insgesamt 189 Rängen (2015 = Rang 143).

Die Landwirtschaft, die Textilindustrie (Bekleidung und Schuhe), die Bauindustrie (seit 2014 größter Wachstumssektor) und der Tourismus sind die relevanten Sektoren der kambodschanischen Wirtschaft. Seit Beginn der 1990er Jahre findet eine Transformation von der Konzentration auf die Landwirtschaft hin zu einer Wirtschaftsstruktur mit abnehmendem Agraranteil und wachsender Bedeutung von Industrie und Dienstleistungssektor statt. Durch die offene Wirtschaftsstruktur Kambodschas spielt der Außenhandel eine tragende Rolle.

Korruption, mangelhafte Infrastruktur, hohe Energiekosten, niedriges Ausbildungsniveau, Rechtsunsicherheit und ungeklärte Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden stellen de facto erhebliche Wettbewerbs- und Investitionshindernisse dar. Dem stehen vergleichsweise niedrige Lohnkosten, die Anbindung an internationale Seewege (Hafen Sihanoukville) und eine liberale Wirtschaftspolitik der Regierung gegenüber. Dies hat trotz der vorgenannten Defizite zu einem kontinuierlichen Wachstum und Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) geführt. Die Investitionen werden überwiegend durch Unternehmen aus der Region (China, Vietnam, Südkorea, Singapur), weniger dagegen durch westliche Unternehmen getätigt.

Internationale Verflechtung

Kambodscha ist eine offene Volkswirtschaft; der Außenhandel bleibt der Motor der Wirtschaftsentwicklung. Im Jahr 2017 wuchsen die Warenexporte auf 10 Mrd. USD, die Importe lagen bei 12,3 Mrd. USD. Er ergab sich ein Handelsbilanzdefizit von 2,3 Mrd. USD. Dabei werden vor allem Stoffe für die Nähereien, Baumaterialien, Kraftfahrzeuge, Maschinen, Benzinprodukte, Gold und pharmazeutische Produkte aus der Volksrepublik China sowie den benachbarten Ländern Thailand und Vietnam  importiert. Wichtigste Exportprodukte sind vor allem Textilien (ca. 70 %), zudem Holz, Reis und Fisch, Rohstoffe sowie Schuhe. Von geringer, aber zunehmender Bedeutung sind außerdem Zwischenprodukte im Elektronik- und Automobilsektor. Ca. 40 % der kambodschanischen Exporte gingen 2017 in die EU, da sie dort aufgrund der „Everything but arms“-Regelung zollrechtlich privilegiert sind. Die EU ist damit der wichtigste Absatzmarkt für kambodschanische Produkte, wobei innerhalb der EU wiederum Deutschland mit 8,9 % aller Exporte wichtigster Handelspartner ist. Ausländische, insbesondere asiatische Investoren tätigen ihre Investitionen i.H.v. insgesamt 2,8 Mrd. USD (Tendenz stark steigend) überwiegend in von der Regierung errichteten „Special Economic Zones“, die günstigere Steuern, verlässliche Stromversorgung und eine bestimmte Anzahl an lokal verfügbaren Arbeitskräften versprechen.

Neben ausländischen Direktinvestitionen flossen 2017 geschätzte 1,1 Mrd. USD an „Official Development Aid“ (ODA) in das Land. Dies ist ein leichter Rückgang gegenüber den letzten Jahren, der vor allem auf das robuste eigenständige Wachstum des Landes in den vergangenen Jahren zurückzuführen ist. Für den Zeitraum 2017/18 hat Deutschland für die Entwicklungszusammenarbeit mit Kambodscha insgesamt 37 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Zu internationalen Kapitalmärkten hat Kambodscha keinen Zugang. Kambodscha ist Mitglied in allen für die Region wichtigen internationalen und regionalen Wirtschaftsorganisationen und Institutionen (WTO, Weltbank, IWF, Asian Development Bank, ASEAN, AFTA, APEC, GMS – Greater Mekong Subregion).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Kambodscha ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Förderung der ländlichen Entwicklung, der Aufbau des Gesundheitswesens sowie die Förderung von Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentlicher Verwaltung (Good Governance) sind die wichtigsten Themen dieser Partnerschaft. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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